Farbzucht

Zitat: "... ein gutes Pferd hat keine Farbe ..."

Flaxen

Das Flaxen Gen ist eine Farbmerkmalsausprägung des Langhaares, es wird homozygot rezessiv vererbt und prägt sich nur bei Füchsen mit fuchsfarbenem Langhaar aus. Das Langhaar wird heller bis zum weiß, schwarze Langhaarpigmente werden nicht beeinflusst.

Diese Füchse werden Lichtfuchs oder auch Sorrel genannt.

Das Merkmal wird mit den Buchstaben ff gekennzeichnet.

Smutty/Sooty

Das Smutty/Sooty Gen ist ein dominantes Gen und beeinflusst sowohl das Langhaar als auch das Deckhaar. Es führt zum Auftreten von unterschiedlichen Körperarrealen  mit eingestreuten schwarzen Haaren, sogenannten Rußflecken. Gehäuft treten diese im Augenbereich, an den Beinen, an den Flanken und auch als Äpfelungsmuster auf.

Rappen zeigen keine Veränderung, jedoch Braune, die den Dunkelbraunen ähnlich sind und Füchse, die zum Kohlfuchs werden. Das Merkmal wird meist mit Sty bezeichnet.

Treidelhof Bailarina (links)

Fuchsisabell mit Flaxen-Gen

 Treidelhof Alhaja (rechts)

Fuchsisabell mit Smutty-Gen

Treidelhof Bailarina Cremefarbener Übergang in die einheitlich aufgehellten Schweifhaare
Treidelhof Bailarina Cremefarbener Übergang in die einheitlich aufgehellten Schweifhaare
Treidelhof Alhaja -  Durch das Smutty-Gen hervorgerufene deutliche Einstreuung von schwarzen Schweifhaaren
Treidelhof Alhaja - Durch das Smutty-Gen hervorgerufene deutliche Einstreuung von schwarzen Schweifhaaren

Okulokutaner Albinismus Typ 4

Creme

Das Creme-Gen oder auch Isabell-Gen gehört zur Gruppe der Dilute-Gene und wird intermediär vererbt. Es beeinflusst alle Farben sowohl des Lang- als auch des Deckhaares auch die Augenfarbe kann verändert sein.  Das Merkmal wird mit Cr bezeichnet.

 

Einzelausprägung

Fuchsisabell/Palomino

Braunisabell/Buckskin

Rappisabell/Smoky Black

Augenfarbe braun bis hellbraun

 

Doppelte Merkmalsausprägung 

Fuchsweißisabell/Cremello

Braunweißisabell/Perlino

Rappweißisabell/Smoky Cream

Augenfarbe blau

Pearl

Das Pearl-Gen oder auch trivial Apricot-Gen ist ebenso eines der Dilute-Gene und wird vermutlich autosomal intermediär rezessiv vererbt. Das heterozygote Vorliegen der Mutation alleine verändert die Grundfarbe des Pferdes nicht!

Liegt das Gen reinerbig vor, wird die Grundfarbe des Pferdes sowie das Langhaar gleichmäßig aufgehellt. Das Merkmal wird mit Prl bezeichnet.

 

Ein Fuchs wird apricot bis hellsandfarben

ein Brauner hellbraun mit hellgraubrauner Mähne

ein Rappe wird durchgehend silber-hellgrau.

Die Augen sind meist blau oder hellgrün.

 

Das besondere des Pearl-Gens ist vermutlich die mit dem Creme-Gen geteilte Genlokalisation. In Kombination mit dem heterozygoten Vorliegen des Cream-Gens (CR/cr und Prl/x), entsteht ein Phänotyp, der dem homozygoten Cream (CR/CR) entspricht. Diese Pferde sind rein äußerlich nur schwer von echten Cremellos, Perlinos und Smoky Creams zu unterscheiden. Die Augen sind meist grün.

Leopard-Gen

Die Leopardzeichnung bei Pferden ist eine der ältesten Fell-Zeichnungen, die der Menschheit bekannt sind. In uralten Höhlenzeichnungen der Chinesen wird die Leopardzeichnung schon dargestellt. Alte Rassen in der Mongolei, Altai Region, Fergana Tal, China usw. werden häufig mit der Leopardzeichnung in Verbindung gebracht. Gepunktete Pferde gab es schon im Pleistozän.

Seit dem Mittelalter findet man in vielen, zum Teil heute noch existierenden Rassen die typischen LP Zeichnungen wie beispielsweise beim Appaloosa, Knabstrupper, Noriker, POA, Spanish Mustang, Karabair, Altai Horses, English Spotted Horse, Fergana Horses, div. Russischen Pferden, American Miniature Horses, und auch bei den Spanischen Rassen findet man unerwünschte „getupfte“ Pferde, also solche mit LP Gen. Bei frei lebenden Mustang Herden in den USA ist diese Färbung ebenfalls vertreten. Die Faszination der Leopard Zeichnung hat dazu geführt, dass viele langjährige Züchter versucht haben, durch ihre Aufzeichnungen herauszufinden, in welcher Art diese Fell-Zeichnung vererbt sein könnte. Viele Erkenntnisse stammen daher aus den Beobachtungen dieser Züchter, die über Verpaarungen und Fellzeichnungen Buch führten. Aus diesen Beobachtungen heraus war auch bekannt, dass die Pferde mit sogenannter „Few Spot“ Zeichnung, nahezu immer (100% mit einer Fehlerquote von 0.02%) eine Zeichnung aus der Leopard-Palette hervorbrachten, gleich was für einen Partner man dazu wählte, insbesondere auch einfarbige Partner! Die Vermutung ließ somit darauf schließen, dass diese „Few Spot“ Pferde immer ein LP Gen vererbten, demnach also 2 Exemplare davon haben mussten. Das LP Gen liegt in der homozygoten Form vor. Um die Leopardzeichnung nicht zu verlieren, wurde in der gezielten Zucht häufig einer der Zuchttiere mit „Few Spot“ Leopardzeichnung gewählt, oder einer Zeichnung, von der man vermutete, dass das LP Gen, nach langjährigen Beobachtungen auch in homozygoter Form (LP/LP) vorlag, z.B. der Snowcap Zeichnung. Insbesondere dann, wenn einer der Zuchtpartner einfarbig war, war es unumgänglich einen Partner mit 2 LP Genen zu wählen, um Nachkommen der Farbpalette der Leopard Zeichnungen zu erhalten! 

Die sogenannten „Few Spot“ Pferde sind sehr leicht erkennbar, ein „echter Snowcap“ ist schwerer zu erkennen ebenso andere Fellzeichnungen mit wenigen oder keinen Tupfern, ist ohne Test nicht zur Gruppe der sicheren Farbvererber, also homozygoten LP Gen Trägern, zuzuordnen. Um das Gen bei Pferden nachweisen zu können, ist ein Test  z.B. bei Laboklin oder Davis durchführbar.  

 

Erbgang:

Tabelle1: ©Sheila Archer Alle Zeichnungen in obigem Bild resultieren aus einem (1) einzigen LP Gen. Das LP Gen liegt also in heterozygoter Form (LP/lp) vor.

 

Tabelle 2: ©Sheila Archer Alle  Zeichnungen dieser zweiten Tabelle resultieren aus dem Vorliegen zweier (2) LP Gene (LP/LP). Das LP Gen liegt also in homozygoter Form vor. 

 

Das zweite Gen, welches vor kurzem erst entschlüsselt worden ist, hat konkret mit dem eigentlichen Leopard-Muster (=Tigerscheckung) zu tun. Es nennt sich PATN1. In Kombination mit nur einem LP-Gen (LP-heterozygot) verursacht es, dass sich das Blanket with Spots quasi über den ganzen Körper des Pferdes ausdehnt und also zu einem Leopard/Tigerschecken führt. Es führt also zur größtmöglichen Ausprägung der typischen Fellmusterung (60%-100% des Körpers). Nur Kopf und Brust können von Fall zu Fall trotz PATN1 dunkel bleiben. Folgende Grafik zeigt ein LP/lp Pferd mit PATN1. Ob das Pferd in PATN1 homo- oder heterozygot ist, spielt keine Rolle.

Ist das Pferd jedoch LP-homozygot, kommen trotz Vorhandenseins des PATN1-Gens die Punkte nicht mehr zum Vorschein und es resultiert ein Fewspot.

Das Vorhandensein des PATN1-Gens ist unabhängig vom Vorhandensein des LP-Gens. Es ist z.B. durchaus möglich, dass ein unifarbenes Pferd (ohne LP-Gen) dennoch ein PATN1-Träger ist. Das PATN1 ist dort verborgen, da der On-/Off-Schalter durch das Fehlen des LP-Gens ausgeschaltet ist.

Quellen: https://www.pferdegesundheitsdienst.ch/cms/images/pdf/Leopard_Gen2014.pdf

und

https://www.appaloosa.ch/index.php?option=com_content&view=article&id=647&Itemid=270

 

 

Genotypen

Empfehlung für die Zucht von Leoparden

 

Homozygot LP und homozygot PATN1:
LP/LP und PATN1/PATN1

Ein homozygotes LP Pferd sollte im Idealfall mit einem Pferd verpaart werden, das kein LP-Gen aufweist. Denn so verschwindet das Risiko, dass daraus ein fast weisser Fewspot resultiert. Verpaart mit einem einfarbigen Pferd, kriegt das daraus resultierende Fohlen nur ein LP-Gen mit und auf jeden Fall auch mindestens ein PATN1-Gen. Somit entsteht mit 100%-iger Wahrscheinlichkeit ein Leopard-Pferd.

 

Homozygot LP und heterozygot PATN1:
LP/LP und PATN1/patn1

Soll das Ziel sein, ein Leopard-Fohlen zu zeugen, so sollte man als weiteren Elternteil ein Pferd suchen, das zwar unifarben ist (also kein LP-Gen trägt), aber im verborgenen PATN1-Doppelträger ist. Dann entsteht mit 100%-iger Wahrscheinlichkeit ein Leopard.

 

Heterozygot LP und homozygot PATN1:
LP/lp und PATN1/PATN1

Hier kann nicht mehr mit 100%-iger Wahrscheinlichkeit ein Leopard gezeugt werden. Verpaart man ein solches Pferd mit einem Fewspot oder Snowcap, so resultiert mit je 50% Wahrscheinlichkeit entweder ein Fewspot oder ein Leopard. Verpaart man das Pferd hingegen mit einem anderen heterozygoten LP-Träger, so resultiert mit 50% Wahrscheinlichkeit ein Leopard und mit je 25% Wahrscheinlichkeit ein Solid oder ein Fewspot.

 

Heterozygot LP und heterozygot PATN1:
LP/lp und PATN1/patn1

Auch hier kann nicht mit 100%-iger Wahrscheinlichkeit ein Leopard gezeugt werden. Verpaart man ein solches Pferd mit einem Fewspot, so resultiert mit 37.5% Wahrscheinlichkeit ein Fewspot, mit 12.5% Wahrscheinlichkeit ein Snowcap, und wenn der andere Elternteil ebenfalls PATN1-Doppelgenträger war, mit 50% Wahrscheinlichkeit ein Leopard und andernfalls mit je 25% Wahrscheinlichkeit ein Leopard oder eine andere Färbung.
Verpaart man dieses Pferd mit einem anderen heterozygoten LP- und PATN1-Genträger, so beträgt die Wahrscheinlichkeit für ein Leopard-Fohlen noch immer 37.5%. Mit 25% Wahrscheinlichkeit erhält man aber ein unifarbenes Pferd und mit einer Wahrscheinlichkeit von 6.25% entsteht ein Snowcap und mit 18.75% Wahrscheinlichkeit ein Fewspot. Nur mit 12.5%iger Wahrscheinlichkeit resultiert eine andere Färbung.

 

Ohne LP und homozygot PATN1:
lp/lp und PATN1/PATN1

Hat man ein unifarbenes Pferd, das aber im versteckten ein PATN1-Doppelgenträger ist, so kann man mit 100%iger Wahrscheinlichkeit ein Leopard-Fohlen zeugen. Der andere Elternteil muss lediglich homozygot in LP sein, also entweder ein Fewspot oder ein Snowcap.

 

Ohne LP und heterozygot PATN1:
lp/lp und PATN1/patn1

Hier gilt dasselbe wie oben, nur sollte hier der andere Elternteil unbedingt ein Fewspot sein, der auch in PATN1-homozygot ist. Andernfalls entsteht nur mit 50% Wahrscheinlichkeit ein Leopard-Fohlen und mit 50% Wahrscheinlichkeit eine andere Färbung.

 

Ohne LP und ohne PATN1:
lp/lp und patn1/patn1

Möchte man aus einem Knabstrupper, der weder LP- noch PATN1-Genträger ist, ein Leopard-Fohlen züchten, so geht das mit 100% Wahrscheinlichkeit nur, wenn der andere Elternteil sowohl homozygot in LP wie auch homozygot in PATN1 ist. Wählt man hingegen z.B. ein Leopard, der heterozygot in LP und homozygot in PATN1 ist, so resultiert aus dieser Anpaarung nur mit 50% Wahrscheinlichkeit überhaupt ein farbiges Fohlen. Die Wahrscheinlichkeit, dass es dann sogar ein Leopard ist, beträgt 25%. Aber auch eine andere Färbung ist mit 25% gleich wahrscheinlich. Die Wahrscheinlichkeit für ein einfarbiges Fohlen liegt bei 50%.

Wie nun ein Schabracktiger oder Snowcap entsteht ist noch unbekannt. Man vermutete ein PATN2-Gen, dies konnte jedoch wissenschaftlich  nicht belegt werden. Eventuell besteht eine Kombination von "white pattern modifiers", die die Größe und Art der Schabracke steuern. Dabei ist das PATN1 dominant über die anderen Modifizierer.

Es gibt noch einige weitere Besonderheiten beim Tiger. Die Grundfarbe des Pferdes wird durch das Leopard-Gen beeinflußt. Die Pferde erscheinen teils in einer ganz anderen Farbe als genetisch vorliegend.

Dieses Phänomen nennt sich laut www.pferdefarben.eu/tiger.html "Colour Shifting".

Es gibt einen Zusammenhang zwischen Weißanteil, Farbe und Geschlecht und sogar der Rasse.

Roan

Varnish Roans/Marbles sind fast weiße Pferde mit dunklen Parteien an Kopf und Beinen, die wie Schatten aussehen. Vorhanden ist hier nur das Gen Lp, aber kein Pattern.

Roan: Neben der Grundfarbe Roan können auch einzelne Partien dieser Färbung auftauchen
Roan Blanket: Ein Blanket, das nicht weiß, sondern stichelhaarig ist. (z.B. Roan über der Hüfte)
Roan Blanket with Spots: Außer dem stichelhaarigen Blanket treten Spots auf (z.B. Roan mit Spots über Hüfte und Lenden)

Quelle: http://www.pferdefarben.eu/tiger.html

Galerie - Beispiele

Fuchsisabell/Smutty-Gen & Fuchsisabell Flaxen-Gen
Fuchsisabell/Smutty-Gen & Fuchsisabell Flaxen-Gen
Braunisabell/Buckskin
Braunisabell/Buckskin
Fuchs mit Smutty-Gen & Fuchsisabell mit Smutty-Gen
Fuchs mit Smutty-Gen & Fuchsisabell mit Smutty-Gen
Fuchsisabell
Fuchsisabell
Fuchsisabell
Fuchsisabell
Fuchs mit Flaxen-Gen
Fuchs mit Flaxen-Gen
Rappe mit Pearl-Gen
Rappe mit Pearl-Gen

Begriffsklärung

Begriff Erklärung
homozygot reinerbig
heterozygot mischerbig
Phänotyp äußeres Erscheinungsbild
Genotyp genetische Ausprägung
Allele

gleiche Merkmale in unterschiedlicher Ausprägung

dominant

beherrschende Ausprägung des Merkmals

rezessiv

nur in Reinerbigkeit Ausprägung des Merkmals

intermediär

mischerbig-dominant unvollständige Ausprägung

des  Merkmals

Dilute-Gen

Verdünnungsmerkmal, Aufhellung der Farbe

Agouti

Das Agouti Gen wirkt sich nur auf Eumelanin aus.

Es ist verantwortlich für die Ausprägung des schwarzen

Pigments. Liegt es in dominanter Form AA oder Aa vor, kann kein Rappe entstehen.

Die rezessive Form aa (non agouti) führt dazu, dass sich das Schwarz über den ganzen Körper verbreiten kann und ein Rappe phänotypisch ausgeprägt werden kann.

Ein Fuchs kann AA, Aa oder aa Merkmalsträger sein.

Ein Brauner kann AA oder Aa Merkmalsträger sein.

Extension

Dominantes Allel E am Extension Locus, es erlaubt den Einfluss des Agoutilocus.

Reinerbig rezessiv ee entspricht es immer der Basisfarbe Fuchs.

Liegt es als EE oder Ee vor entsteht je nach Ausprägung des Agouti Gens bei aa ein Rappe und Aa oder AA ein Brauner.

 Leopard

LP: das Leopard Gen liegt vor und erlaubt eine Leopardtypische Zeichnung (LP coat pattern)

lp: das Leopard Gen liegt nicht vor und bringt keine typische Zeichnung hervor